Großraum LKW in Bergedorf?
25. November 2011 von Jan · Kommentar schreiben
DieLinken haben zur gestrigen Bezirksversammlung die Anfrage XIX/0253 “Giga-Liner auf der A25” beantwortet bekommen. Zusätzlich veröffentlichen sie eine Pressemeldung und so gab heute auch einen passenden Artikel in der Bergedorfer Zeitung (leider noch nicht online).
Es muss an der Stelle erst Mal klargestellt werden, dass es derzeit keinen Begriff für diese LKW gibt. Giga-Liner ist die Produktbezeichnung der Firma Krone Fahrzeugbau. Einige weitere Bezeichnungen sind Lang-LKW, Groß-LKW, EURO-COMBI oder auch Long Combination Vehicle.
Warum Combination? Weil diese Groß LKW immer aus einer Zugmaschine und einem Anhänger bestehen. Dabei haben diese jeweils unterschiedliche Längen. Mal ist der Anhänger lang, mal die Zugmaschine. Es gibt auch Versionen mit zwei Anhängern. Diese erinnern dann schon an die australischen “Road-Train”. Der Anhänger liegt dann auf einem sogenannten Dolly auf, damit dieser separat lenkbar ist. Das hat zur Folge, dass der zwar um 6 Meter längere Gesamtzug dennoch nahezu gleichgut über das bestehende Straßennetz gelenkt werden kann.
Bezogen auf das von den Linken angesprochene Problem der Fahrbahnschädigung, muss man wissen, dass die Belastung der Straßen und Autobahnen durch einen solchen Groß LKW deutlich geringer ist, als es bei „normalen“ 40 Tonnern. Das liegt an der höheren Anzahl der Achsen, die den Fahrbahndruck bei höherem Gesamtgewicht um bis zu 2 Tonnen je Achse reduzieren. Das können die Abgeordneten der Linken Fraktion Bergedorf im Selbstversuch gerne einmal ausprobieren, indem sie sich auf ein Bein und auf zwei Beinen in den Elbschlick stellen.
In Deutschland beträgt das zulässige Gesamtgewicht derzeit 44 Tonnen für diese Groß-LKW. Das sind grade mal 4 Tonnen mehr, als der Standard LKW den wir heute auf unseren Straßen haben. Was aber nicht bedeutet, dass diese Grenze nicht schon heute und ohne den Einsatz dieser Mega-LKW überschritten wird. Das kommt häufiger vor als viele glauben!
In Schweden fahren diese LKW schon seit 1970. Aktuell experimentiert man dort mit 30m langen und 90 Tonnen schweren Zügen. Und da macht das auch Sinn, da man dort anders als bei uns schon Mal 2 Tage in eine Richtung unterwegs ist. In Deutschland liegt die durchschnittliche Strecke bei rund 400 Kilometern.
Aktuell fahren schon einige dieser LCV auf unseren Straßen. Zum Beipiel wird das VW-Werk in Wolfsburg mit Material aus Bremerhaven versorgt. Diese Touren werden jedoch ausschließlich Nachts gefahren, sodass man davon wenig mitbekommt.
Der Hauptgrund, warum man diese Transportmöglichkeit schafft, ist auch nicht um mehr Gewicht zu transportieren, sondern in erster Linie mehr Volumen. Darum auch nur die 4 Tonnen mehr auf ein Drittel mehr Länge. Denn eigentlich könnte man die Gesamtzuladung auf 60 Tonnen hochsetzen.
Nun möchte ich nicht den Eindruck erwecken, für diese LKW zu sein. Die Fahrzeuge machen auf deutschen Straßen absolut keinen Sinn. Weil die Strecken viel zu kurz sind und die Zuladung zu gering. Abgesehen davon ist es immer ein Problem, wenn solche Transporte dann anliefern, weil die Anhänger im Zweifel irgendwo an der Straße abgestellt werden müssen und den Verkehr behindern. Ob man aber grade den durch die Güterzüge der Bahn geplagten Bergedorfern auch noch zusätzliche Züge zumuten muss, wie es die Linke gestern im Rahmen der Debatte um den Logistikpark vorschlug, möchte ich einmal in Frage stellen!
Ich bin auch nicht der Spezialist in diesen Themen, aber wer anderen vorwirft, mit Halbwahrheiten zu polarisieren, der möge doch dann selbst auch bei den Fakten bleiben!
Betrachtet man das mal im Gesamtkontext, dann macht der Groß-LKW auf der A25 zusammen mit dem Ausbau des Lärmschutzes der Verbesserung des Strassenbelages und der verstärkten Leitplanken Sinn. Denn sowas braucht man für den Logistikpark der hier ja entstehen soll und gegen den wir uns an dieser Stelle wehren!

